paillettenmädchen. mopedtobi. baby.

By landeplatzderengel

Jede Geschichte hat Hauptfiguren und Nebenfiguren, mal viele, mal wenige. Manche machen mir einen Vorwurf daraus, aber ich liebe meine Nebenfiguren. Vielleicht sollte ich Geschichten schreiben, in denen nur Nebenfiguren vorkommen. Eigenartige Bezeichnung: Figuren. Es sollen doch Charaktere sein, Personen, Menschen, aber das ist vielleicht die Lüge, der sich alle Autoren hingeben. Sie sind näher an Schachfiguren, die wir auf unserem Brett der Geschichte, die wir erzählen wollen, hin- und herschieben. Manchmal werden sie auch geschlagen und verschwinden. Oder wir opfern sie ganz oder teilweise, weil sie den Strom der Erzählung stören. Oder weil der Lektor sagt, Frank, du bist wieder geschwätzig, alles schön und gut, aber raus damit.
Baby, die Türsteherin, musste Federn lassen, aber am Ende hat jede Zeile, die ich über sie geschrieben und wieder gestrichen habe, geholfen (siehe „outtakes“). Manchmal bleibt fast nur ein Name übrig, wie bei Mopedtobi (der „echte“ Mopedtobi wird sich freuen, er wollte bestimmt nicht als verstrahlter Typ in einem meiner Bücher landen, so weit ich weiß, nimmt der echte auch keine Drogen, grins), manchmal eine Beschreibung, wie bei der Ratte aus der Muppetshow (Und? Wer kennt sie, wie heißt sie dort??? Kleines Quiz, gibt aber nix zu gewinnen!)
Das Pailettenmädchen ist einer meiner Lieblinge. Ein Freund und ich waren in Madrid* unterwegs, der Stadt mit den abgefahrensten Clubs und Menschen, die ich je gesehen habe. Wir stolperten mit ein paar spanischen Freunden die schmale Treppe hinab ins Boccaccio, einen ehemaligen Edel-Club, der nun aber völlig abgewetzt war und von der Techno-Szene in Beschlag genommen. Sie war einfach nicht zu übersehen, ihr Glitzerfummel laserte dir vom Auge direkt ins Hirn, über ihr schaukelte NICHT das Schild „Jeder gibt, was er kann!“, aber jeder hätte ihr auch sein letztes Hemd gegeben und mehr als das.

*Ausgehen in Madrid ist heiß, aber reingehen auch und rumgehen: Kaum eine Stadt ist so voller Kultur und Kunst und dabei so schnell, so modern, so im Aufbruch (danke Zapatero, danke!). Wer alten Kram mag: eine kleine Manufaktur, in der seit Jahrhunderten Gobelins nach Kartons (Vorlagen) von Goya hergestellt werden. Sehr interessant und fern ab vom großen Prado-Rummel. Da trotzdem auch hin, ebenfalls wegen Goya, er jagt euch einen Schauer über den Rücken.

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