leseproben. mirco – gegen einen wie mich

By landeplatzderengel

Ich habe gecheckt, was da ablief. Schon beim ersten Blick, den sie geworfen hat und ich wusste, dass ich Yalla an dem Abend vorm Depot mit Recht eine in die Schnauze gegeben hatte. Vielleicht hat er sie da nicht angemacht, das kann sein, bestimmt nicht, der wusste ja nicht mal, wie anmachen überhaupt geht. Aber sie war scharf auf ihn, nicht wirklich scharf, aber darum geht es nicht. Ich erinnerte mich genau, wie sie ihn angesehen hat, vorher schon, im Club. Jetzt war ich mir sicher. Ich wusste jetzt, dass ich gegen einen wie ihn keine Chance hatte. Ja, Yalla, hast du richtig gehört: gegen einen wie dich. Keine Chance. Und der Mist mit dem Kater. An meiner Stirn musste er nie schnuppern. Das war die Taufe, so ein Scheißdreck. Ich wäre am liebsten sofort wieder abgehauen. Meine Blumen hat sie nicht mal ins Wasser gestellt, waren aber auch schon hinüber, totaler Mist, alle kaputt. Es waren die traurigsten Blumen der Welt. Ich hätte Yalla überhaupt nicht mitnehmen sollen, unten vor der Tür hätte er stehen sollen und warten und zwar so lange, bis ich, keine Ahnung, bis irgendwas. Es ging die ganze Zeit weiter so, in der Küche beim Essen, Bratkartoffeln mit Spiegeleiern, mehr hatte sie nicht da und ein paar Becher Schokopudding, von denen einer abgelaufen war. Er hat null gemerkt, dass ich eine beschissene Laune gekriegt hab, null. Der war mit ihr beschäftigt, hat ihr sogar Matheaufgaben erklärt, die sie für die Berufsschule brauchte. Matheaufgaben! Arschloch, habe ich gedacht, Arschloch, aber ich hab nichts gesagt. Und sie, Fabian hier und Fabian da und rumgeprotzt, weil sie wusste, was dieses Scheiß-Tourette ist, nur weil schon mal ein Wichser in ihrer Klasse es hatte und alle auf so einen Behindertenscheiß getrimmt wurden, dass das ganz normal ist und alles. Nichts an dem ist normal, hätte ich am liebsten gesagt, gar nichts, das weiß ich genau. Und er macht auch andere unnormal, das hätte ich auch gerne gesagt, der bringt dich auf Sachen im Kopf, das ist total unnormal. Er macht Sachen mit dir, die du nicht kapierst, da kommen Sachen, die du nicht willst. Verdammt, ich war nicht zu ihr gegangen, damit sie dauernd mit dir redet, Yalla. Ich wär überhaupt nicht zu ihr gegangen, eigentlich hätte ich dir sagen sollen, dass du irgendwann einfach verschwinden sollst. Eigentlich ist das beschissenste von allen Worten, die du in deine Tonnen finden kannst, verstehst du? Du bist vielleicht der Wort-Experte, kann sein, aber ein bisschen habe ich auch kapiert, darauf kannst du einen lassen. Und dass eigentlich zu den beschissenen Worten gehört ist oberklar. Scheißwort. Das hat mich ganz mürbe gemacht, das kannst du glauben, und ich hab dich dann einfach machen lassen. Oder reden. Über den ganzen Mist mit den Engeln. Sorry, Yalla, das war nicht so gemeint. Ich hab’ schon kapiert, dass diese Engelsache so wichtig für dich ist. Aber ich wusste es ganz genau: Sie fuhr auf so etwas total ab, Landeplatz für Engel, und diese Geschichte mit dem Typ, dem Engel und dem Fisch und dass er den Blinden geheilt hat. Ich hätte dazwischengehen sollen, spätestens als du ihr das versiffte alte Bildchen mit dem Erzengel drauf geschenkt hast. So eine Scheiße, habe ich gedacht, sein Traum ist es zum Landeplatz von Engeln zu kommen, von Engeln, hey, und deiner, Mirco, deiner? Ein beschissenes 500 Meilen langes Rennen oder eines, wo du vierundzwanzig Stunden am Stück fahren musst oder von Paris in die Wüste nach Afrika. Können die nicht überall landen?, hat sie gefragt und ich hätte Scheiße!, schreien können, so was hatte sie mich noch nie gefragt, immer nur Das ist eine Spinnerei, mit deinen Rennen!, oder, dass es zu gefährlich wäre. Aber ob die Engel überall landen können, das fragte sie. Yalla hat den Kopf geschüttelt, nein, könnten sie wohl nicht und dann den absoluten Hammer gebracht und gesagt, dass sie auch bei Regen nicht landen könnten. Bei Regen nicht?, wollte ich fragen, wofür sind sie Engel?, wollte ich fragen, die können alles, aber ich hab lieber den Mund gehalten

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